Coronavirus-Fehlplanung — Was ist wirklich passiert und warum lief es schief?

Image for post
Image for post
Hildenheimer Zeitung

Das Runterfahren der Wirtschaft und die Stilllegung des sozialen Lebens konnten die Epidemie nicht stoppen. Das Virus verbreitete sich und zusätzlich zu dem durch die Epidemie selbst verursachten Leid haben viele Menschen aufgrund des so genannten „Lockdown“ immensen Schaden erlitten.

Problematische Prognosen

Als Wirtschaftswissenschaftler bin ich in der Erstellung von Prognosen ausgebildet und daher mit den Fallstricken bei der Erstellung von Vorhersagen vertraut. Viele Prozesse in der Wirtschaft haben ähnliche Muster wie Epidemien. Von der Verbreitung neuer Produkte über Rezessionen bis hin zu den regionalen Ansteckungen von Währungskrisen finden Prozesse statt, die „Pandemien“ ähneln. Krisen, die von Anfang an weitgehend ignoriert werden und zunächst nur langsam zunehmen, bleiben oft unentdeckt, bis es zu spät ist. Wenn das Problem endlich Beachtung findet, neigen die Entscheidungsträger zu Überreaktionen. Es werden Gegenmaßnahmen ergriffen, die das Problem nicht eindämmen, sondern verschärfen.

Oft wäre es besser gewesen, nichts zu tun und die Dinge laufen zu lassen. Die Regierungen stehen jedoch unter Druck, etwas zu tun. Die Bevölkerung wird angestachelt, wenn die Medien unkritisch darauf drängen, dass endlich gehandelt werden muss. Die gleiche Art von Fehlern, wie sie in der Wirtschaftspolitik häufig vorkommt, wurde auch beim Lockdown 2020 sowohl in Deutschland wie in vielen anderen Ländern gemacht.

Vorhersagemodelle der Epidemiologen sind nicht besser als die der Ökonomen. Nicht viel anders als die dynamischen Entwicklungen in der Wirtschaft, ist es auch bei Epidemien fast unmöglich, ihre zukünftige Form und Dimension rechtzeitig und klar vorherzusehen. Epidemische Prozesse finden in Form einer „Wachstumskurve“ statt. Solche Prozesse sind bekannte quantitative Phänomene, die in Wirtschaft und Finanzen genauso wie in der Biologie vorkommen.

Wenn ein Prozess mit einer konstanten Rate wächst, ist der Gesamtanstieg zuerst klein, wird jedoch mit der Zeit immer größer, bis er unvermeidlich zusammenbricht, wenn aus der nahezu flachen Kurve eine fast vertikal verlaufende wird. Beispielsweise wächst eine Bakterienkultur zunächst langsam und nimmt mit der Zeit an Geschwindigkeit zu, bis sie vollständig zusammenbricht, wenn kein Wirt mehr übrig ist.

Wie in der folgenden Grafik zu sehen ist (Abbildung 1), folgt die Coronavirus-Epidemie dem typischen Muster einer sogenannten logistischen Wachstumskurve mit den Merkmalen eines nahezu flachen Wachstums zu Beginn, gefolgt von einem zunehmend steilen Anstieg bis zu einem Höhepunkt von wo ab sich die Kurve schließlich biegt und der Zuwachs negativ wird.

Abb. 1: Täglich neu gemeldete COVID-19 Todesfälle weltweit

Image for post
Image for post
Our World in Data

Quelle: Our World in Data vom 15. Mai 2020

Man kann in der Grafik sehen, dass die Kurve für die täglichen Angaben von COVID-19 Toten von Januar bis Anfang März fast flach ist, aber in der zweiten Märzhälfte 2020 einen starken Anstieg verzeichnet, zunächst moderat und Ende März mit zunehmender Geschwindigkeit. Von Mitte März bis Anfang Mai 2020 stieg die Zahl der täglich bestätigten Todesfälle bis zu ihrem Höhepunkt Anfang Mai und ist seit Mitte April 2020 gesunken.

Um einen solchen Wachstumsprozess genauer zu erklären und seine Merkmale hervorzuheben, hilft es, die Kurve zu stilisieren und sich auf ihren Beginn zu konzentrieren und den exponentiellen Teil des Wachstumsprozesses hervorzuheben (Abbildung 2).

Abb. 2: Exponentieller Wachstumsprozess

Image for post
Image for post

Die Kurven in diesem Diagramm (Abbildung 2) zeigen, dass zu Beginn des Vorgangs mit seiner Bewegung von a nach b entlang der Zeitachse (t) die Existenz eines exponentiellen Prozesses immer noch nicht erkennbar ist. In der realen Welt, vor allem wenn starke Datenunsicherheit herrscht, kann der Prognostiker sehr leicht zu einer linearen Projektion verführt werden wie sie von Linie P1 dargestellt wird.

Während der ersten Hälfte des Prozesses von fast flach am Anfang (a-b) bis zu der Strecke, an der die Kurve sichtbar exponentiell wird (b-c), ist die Hälfte der Zeit bereits vergangen (von a nach b) bis zu ihrem Endpunkt (d). Um Punkt b herum würde die Projektion jedoch noch eine relativ moderate Entwicklung (P2) nahelegen, da die Bewegung der Kurve nach Erreichen von Stufe b immer noch nur moderat nach oben gebogen ist und die Auswirkungen des Prozesses (Q1) im Vergleich zu dem, was kommen wird, immer noch gering ist. In der Zeit zwischen b und c scheint es, als ob der Prozess noch beherrschbar wäre, da sich der quantitative Effekt (auf der vertikalen Achse abgetragen) nur bis Q2 bewegt hat.

Der Teil von c nach d repräsentiert den dramatischen Teil der exponentiellen Wachstumskurve. In etwa einem Siebtel der gesamten Zeitspanne von fast flach bis fast vertikal (bei d) findet der größte Teil der Effekte innerhalb der Zeitspanne von c bis d statt. In dieser Phase ist die Geschwindigkeit des Wandels so schnell, dass die Entscheidungsträger im Falle eines schädlichen politischen Problems von den Ereignissen überfordert werden, in Panik geraten, und zu Fehlentscheidungen neigen.

Zu Beginn bleiben exponentielle Wachstumsprozesse typischerweise unentdeckt. Wenn sie jedoch erkannt werden, motivieren sie ihre Entdecker oft, ihre Dimension zu übertreiben. Wenn es sich um ein politisches Problem handelt und die Medien das Problem aufgreifen, neigen die politischen Entscheidungsträger nicht selten dazu, fundiertes Urteilsvermögen zu verwerfen und dem zu folgen was im Moment populär erscheint.

Schlimme Fehlentscheidungen hat es auch in der Konfrontation mit der Pandemie des Coronavirus gegeben. In einem Anfall von Panik ergriffen Regierungen in vielen Teilen der Welt Maßnahmen, die das Augenmaß vermissen ließen. Der Lockdown der Wirtschaft und des sozialen Lebens umfasste die Schließung von Schulen, das Verbot von Sport- und Kulturveranstaltungen, die Schließung von Restaurants und die Untersagung wirtschaftlicher Tätigkeit von als nicht wesentlich deklarierter Aktivitäten. Viele Regierungen haben eine Politik der sozialen Distanzierung eingeführt und teilweise eine Quarantäne verhängt.

Politik der „Abflachung der Kurve“

Die Befürworter des Lockdowns begründeten die Maßnahmen mit dem Argument, dass die Kontrollmaßnahmen die Kurve der Ansteckung mit dem Virus „abflachen“ würden. Die Vertreter strikter Maßnahmen behaupteten, dass das bestehende Gesundheitssystem ohne ein Herunterfahren der Wirtschaft und die Einschränkung der Bewegungsfreiheit durch eine kommende Welle von Kranken aufgrund der Infektion mit dem Coronavirus überlastet würde. In vielen Variationen kreiste das „Modell der Abflachung“ so um den Globus wie der Virus selber. In jeder Ecke der Welt reproduzierte man das Modell, wonach die Kurve der Infektionsfälle einen hohen Gipfel mit schmaler Basis zeigt, im Gegensatz zu der abgeflachten Kurve mit einem niedrigen Gipfel und einer breiteren Basis (Abbildung 3).

Abb. 3: Das Konzept der „Abflachung der Kurve“

Image for post
Image for post

Als wäre es ein Befehl von oben, wurde das Modell der „Abflachung der Kurve“ schnell von den höchsten staatlichen Entscheidungsträgern aufgegriffen. „Wir müssen die Kurve abflachen“ wurde europaweit zum Mantra. Neben vielen anderen Ländern haben auch die Vereinigten Staaten landesweit Sperrungen eingeleitet.

Die politischen Entscheidungsträger verwarfen die Kritik, dass Modelle die Realität nicht vollständig erfassen und notwendigerweise auf Annahmen beruhen. Im Fall des Modells der Abflachung der Kurve wurde angenommen, dass man früh weiß, dass ein exponentieller Wachstumsprozess im Gange ist und sich seine Dimension zutreffend abschätzen lässt. Das Modell der Abflachung impliziert, dass die staatlichen Entscheidungsträger von Anfang an wissen, dass eine gefährliche Epidemie bevorsteht. Wie in der Grafik zu sehen ist (Abbildung 3), wird davon ausgegangen, dass die Schutzmaßnahmen gleichzeitig mit der Epidemie beginnen. Dies ist jedoch in der Realität unmöglich.

Es dauert eine Weile, bis die Ausbreitung einer Infektionskrankheit als Epidemie identifiziert werden kann. Zwischen dem tatsächlichen Beginn des Prozesses und seinem intellektuellen Erkennen liegen erhebliche Zeitverzögerungen. Weitere Verschleppungen treten zwischen der Erkennung und der Diagnose auf. Zusätzliche Verlängerungen ergeben sich von der Risikobewertung des Ereignisses bis zur Entscheidungsfindung und der Umsetzung von Maßnahmen. Schließlich vergeht die Zeit, bis die Anordnungen wirksam werden. Es kommt selten vor, dass politische Maßregeln wie vorgesehen verlaufen. Viele umfassende Maßnahmen erfordern eine zeitaufwändige Feinabstimmung bevor sie wirksam werden.

Das Modell der Abflachung der Kurve (Abbildung 3) legt nahe, dass mit einer Schutzmaßnahme die Ausbreitung des Virus langsamer erfolgen und zu einem niedrigeren Höhepunkt führen würde als dies ohne Schutzmaßnahmen der Fall wäre. Die Richtlinie behauptet, dass der Höchstwert der Anzahl der Patienten niedriger wäre, da sich die Gesamtzahl der zu behandelnden Fälle über einen längeren Zeitraum ausbreiten würde.

Was wirklich passiert ist, war jedoch ganz anders.

Wie oben erläutert, zeigt sich ein exponentieller Wachstumsprozess (Abbildung 2) zu Beginn als nichts Besonderes und würde auf der Grundlage der verfügbaren Daten eine lineare Projektion seines Verlaufs nahelegen. Dies war auch beim Coronavirus der Fall. Anfang 2020 war die exponentielle Ausbreitung des Virus kaum zu erkennen. Doch zu diesem Zeitpunkt war die Epidemie tatsächlich schon weit fortgeschritten. Als die Maßnahmen zur Abflachung der Kurve begannen, war die Pandemie schon voll im Gange und strebte ihrem Höhepunkt zu. Die korrekte Darstellung im Modell erfordert, dass die abgeflachte Kurve später beginnt wie die Kurve, die die Entwicklung ohne Schutzmaßnahmen zeigt.

Ein realistisches Modell muss die Zeitverzögerungen berücksichtigen. Dann gibt es eine Verschiebung zwischen der Entwicklung der Epidemie in der realen Welt und der Umsetzung von Schutzmaßnahmen. Der Prozess der „Abflachung der Kurve“ kann erst später einsetzen als die Epidemie selbst ihren Anfang nimmt (Abbildung 4).

Abb. 4: Reale, prognostizierte und politisch beabsichtigte epidemische Verläufe

Image for post
Image for post

Die Grafik (Abbildung 4) zeigt an Kurve C3 die tatsächliche Entwicklung der Epidemie, an Kurve C1 die Epidemie, wie sie von amtlicher Seite prognostiziert wurde, und an Kurve C2, was die politischen Entscheidungsträger durch Abflachen der Kurve erreichen wollten.

In diesem Modell (Abbildung 4) wurde das Coronavirus zum Zeitpunkt t1 als Epidemie identifiziert. Zu dieser Zeit war die Epidemie aber bereits in ihre exponentielle Phase eingetreten. Wie oben erläutert (Abbildung 2), bleiben exponentielle Wachstumsprozesse am Anfang unentdeckt. Im Datenmüll versteckt, haben möglicherweise nur Spezialisten in den frühen Stadien eine Ahnung, dass etwas in Vorbereitung ist. Selbst für den Experten braucht es jedoch Zeit, um die exponentielle Natur des Vorgangs zu erkennen. Zum Zeitpunkt ihrer Entdeckung (t1) ist eine Epidemie (C3) jedoch bereits in vollem Gange und ihr Beginn liegt in der Zeit zurück. Zum Zeitpunkt der Entdeckung verfügt der Beobachter noch nicht über ausreichende Daten über die Entstehung des untersuchten Phänomens, sondern muss das verwenden, was im Falle einer vermuteten Epidemie getestet wird. Diese Tests legen eine Exponentialkurve nahe.

Wenn die Experten ihre Projektionen vorlegen, ist die wahre Dimension des Prozesses fast immer noch unbekannt. Je dramatischer die Projektion eines schädlichen Entwicklungsganges ist, desto wahrscheinlicher wird es sein, dass die Medien, die Öffentlichkeit und nicht zuletzt die politischen Entscheidungsträger auf ihn aufmerksam werden. Dies geschah auch so im Fall der Coronavirus-Epidemie.

Wie inzwischen bekannt ist, war die Prognose der Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie in der Form von „Fällen“, die eine medizinische Behandlung erfordern würden (C1), im Vergleich zu ihrer tatsächlichen Dimension (C3) maßlos übertrieben. Es war jedoch die Projektion (C1) in ihrer Übertreibung, die die politischen Entscheidungsträger veranlasste, die Maßnahmen einzuleiten, um die Kurve zu glätten.

In Europa und den Vereinigten Staaten wurde das Coronavirus als potenzielle Epidemie zu einem Zeitpunkt erkannt, als der eigentliche epidemische Verlauf bereits weit fortgeschritten war, so dass die Beobachtungen stattfanden als sich die Wachstumskurve bereits in ihrer exponentiellen Phase befand (t1). Zu dieser Zeit sagten prominente Prognosemodelle eine extreme Pandemie (C1) voraus, die die Kapazität (FC) der bestehenden Gesundheitssysteme weit überschreiten würde. Die politischen Entscheidungsträger entschieden sich für eine rasche Umsetzung strenger Eindämmungsmaßnahmen (C2), um die imaginäre Kurve C1 zu verflachen und die Anzahl der Fälle, die behandelt werden müssten, entsprechend den vorhandenen Kapazitäten zeitlich zu strecken.

Wie sich inzwischen herausgestellt hat, war die wahre Dimension der Coronavirus-Epidemie viel kleiner als gedacht. Einerseits kam der Lockdown zu spät, um irgendwelche entscheidenden Auswirkungen auf die Epidemie selbst zu haben, andererseits war die Abschottung auch unnötig. Selbst wenn die Pandemie die geplante Dimension erreicht hätte, wären die Maßnahmen zu ihrer Eindämmung zu spät gekommen.

Unnötiger Lockdown

Deutschland, zum Beispiel, wird international für seine erfolgreiche Eindämmung der Epidemie gefeiert, wobei aber weitgehend unbemerkt bleibt, dass das Herunterfahren der Wirtschaft und die Durchsetzung sozialer Distanzierung am 23. März 2020 eingeführt wurden, als die ansteigende Ausbreitung der Infektion bereits vorbei war (Abbildung 5).

Abb. 5: Stilisierte Kurve der Reproduktionsquote des Coronavirus in Deutschland

Image for post
Image for post
Epidemiologisches Bulletin

Zahlen des offiziellen Deutschen Zentrums für Krankheitskontrolle und Prävention, des Robert Koch-Instituts (RKI), zeigen, dass die sogenannte „Reproduktionsrate“ von Infektionen mit dem Coronavirus bereits im Februar ihren Höhepunkt zu erreichen begann (b) und am 20. März, mehrere Tage vor der Umsetzung des Lockdowns, das kritische Niveau von eins unterschritten hatte ©. Zu diesem Zeitpunkt war die zunehmende Ausbreitung der Infektion bereits beendet. Nicht anders als in vielen anderen Ländern wurden in Deutschland dramatische Projektionen zu einer Zeit veröffentlicht, als sich die Reproduktionsrate in der Beschleunigungsphase befand (a), aber als die vorbeugenden Maßnahmen ergriffen wurden, hatte die Ansteckungsgeschwindigkeit bereits ihrem Höhepunkt überschritten (b) und zum Zeitpunkt der Verhängung der wirtschaftlichen und sozialen Blockade © hatte eine solche Maßnahme bereits alle ihre Gründe verloren.

Das Herunterfahren des wirtschaftlichen und sozialen Lebens half nicht bei der Eindämmung der Epidemie, verursachte jedoch immense Schäden, einschließlich des Verlustes von Leben und Gesundheit. Während die Regierung erklärte, Leben zu retten, um die Schließung großer Teile der Wirtschaft zu rechtfertigen, haben die Maßnahmen das Gegenteil bewirkt und werden auch nach Aufhebung des Lockdowns weiterhin viel an Wohlfahrt kosten und auch die Gesundheit vieler Menschen verletzen.

Die Maßnahmen zur Abflachung der Kurve begannen, als die Zahl der Neuinfektionen mit ihrer Höchstgeschwindigkeit anstieg und sich bereits ihrem Höhepunkt näherte. Die zu diesem Zeitpunkt ergriffenen Anordnungen würden notwendigerweise erst nach einer Umsetzungsverzögerung wirksam werden, so dass der Lockdown überhaupt erst zu einem Zeitpunkt greifen konnte, zu dem die Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie bereits nutzlos waren, da die Anzahl der Neuinfektionen bereits ihr Maximum überschritten hatte (siehe Abbildung 6).

Abb. 6: Zeitverzögerung beim Abflachen der Kurve durch den Lockdown

Image for post
Image for post

Wie in der Grafik dargestellt und es die verfügbaren Statistiken bestätigen, konnte der Lockdown die Kurve überhaupt nicht mehr abflachen, da die Infektionen schon von selbst zurückgingen. Die wirtschaftlichen und sozialen Einschränkungen kamen zu spät, um einen wichtigen Effekt zu erzielen. Darüber hinaus verlief die Epidemie weniger dramatisch als zu dem Zeitpunkt vermutet wurde, als der Lockdown eingeleitet wurde. Nur in wenigen Ländern, wie zum Beispiel in Italien und Spanien (Abbildung 7) oder in spezifischen Gegenden bestimmter Länder, lagen die Spitzen für kurze Zeit über der Kapazität des Gesundheitssystems. In den meisten Ländern erwies sich auch bei hohen Belastungen das Gesundheitssystem flexibler als erwartet worden war.

Abb. 7: EuroMOMO-Registrierung der Gesamttodesfälle für Italien und Spanien, 2016 bis 2020, Woche 20

Image for post
Image for post
Euromomo Bulletin Week 20, 2020

Gemäß dem EuroMOMO Bulletin, das die Sterblichkeitsraten in Europa registriert, war in der Mehrzahl der Länder in der Wintersaison 2019/2020 keine Übersterblichkeit zu verzeichnen, und die Spitzen blieben unter beziehungsweise innerhalb des Bereiches der früheren Phasen von Grippeausbrüchen. In den Ländern, in denen der Höchststand im Jahr 2020 die früheren Sterblichkeitsraten überstieg, waren die Spitzenwerte höher, dabei aber die Basis kleiner, was bedeutet, dass auch in diesen Ländern die Gesamtzahl der saisonalen Todesfälle nicht gestiegen ist.

Die Anzahl der gemeldeten Todesfälle für alle Altersgruppen (Abbildung 8) in Europa zeigt, dass es 2020 zwar einen höheren Höchststand gab als in den Vorjahren, da aber die Basis im Jahr 2020 kleiner war als in den Jahren zuvor, war die Gesamtzahl der Todesfälle nicht signifikant höher (Abbildung 8)

Abb. 8: Gesamtzahl der Todesfälle in Europa 2016–2020 Woche 20

Image for post
Image for post
Euromomo Bulletin Week 20, 2020

Schlussbetrachtung

Selbst Monate nach dem Ausbruch der Pandemie ist die wahre Natur des Coronavirus noch unklar. Im Gegensatz dazu ist der Schaden des Lockdowns bereits eindeutig.

Der Lockdown von 2020 wird wahrscheinlich in die Geschichte des 21. Jahrhunderts als ein globaler Krieg eingehen, den die Regierungen ihren eigenen Nationen ohne rationale Notwendigkeit in einam Anfall an Panik zugefügt haben. Dies ist geschehen aus einer Kombination von Hybris, Arroganz von Macht und geradezu Dummheit, aber mit der vollen Unterstützung der Medien und der von ihnen durch Gehirnwäsche verblendeten Bevölkerung.

Wenn das volle des durch Lockdown hervorgerufene Elend sichtbar wird, sollten wir uns daran erinnern, dass die Politiker mit Unterstützung der Medien, einiger Experten und der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung gehandelt haben.

………………………

Weitere Artikel vom Autor zum Thema, die bei MEDIUM jüngst erschienen sind:

Getäuscht. Wie die Politik falschen Prognosemodellen folgte, der Massenhysterie zum Opfer fiel und weltweit die COVID-19 Panik auslöste“ 2. April 2020

Operation gelungen, Patient tot. Wie die Politik einem Phantom nachjagt und dabei die Wirtschaft zerstört”18. März 2020

Die Coronavirus-Epidemie rechtfertigt nicht das, was der Staat derzeit tut. Eine freiheitliche Antwort wäre menschlicher und wirksamer” 6. April 2020

Dr. Antony P. Mueller is a German professor of economics who currently teaches in Brazil. See his website: http://continentaleconomics.com/

Get the Medium app

A button that says 'Download on the App Store', and if clicked it will lead you to the iOS App store
A button that says 'Get it on, Google Play', and if clicked it will lead you to the Google Play store