Kapitalismus ohne Wenn und Aber.

Danksagung und Vorwort zur im Juni 2021 erscheinenden gründlich überarbeiteten und stark erweiterten Neuauflage

Danksagung

Ich habe vielen zu danken für das Zustandekommen dieses Buches, allen voran meinen linkslastigen Freunden und Kollegen, die mir über Jahrzehnte hinweg Einblick in ihre Denkweise und ihren Kenntnisstand gegeben haben.

Vielen Dank an meine Studenten, die offen genug waren, Fragen zu stellen und Zweifel zu äußern. Vielen Dank an alle, die ich unterrichten und deren Abschlussarbeiten ich betreuen durfte. Alle haben dazu beigetragen, meine Vorstellungen dahin zu bringen, wo sie heute sind.

Ich wurde nicht mit den Gedanken, die ich in diesem Buch präsentiere, geboren. Sie sind über Jahrzehnte gewachsen, in einem dauernden Austausch mit den Meinungen und Erkenntnissen anderer und der beobachtbaren Realität.

Vielen Dank an alle, die mit dem Netzwerk der Mises Institute verbunden sind, allen voran mein Dank an das Ludwig von Mises Institut Deutschland, das mir eine Plattform in deutscher Sprache gewährte. Mein bis in die 90er Jahr zurückreichender Kontakt mit dem Mises Institut USA war der entscheidende Schritt, meine intellektuelle Neugier zu beflügeln und in neue Richtungen zu lenken. Vielen Dank an das Mises Institut Brasilien, wo ich als Ausländer eine neue Heimat und viele Freunde gefunden habe.

Mein ganz persönlicher Dank auch an alle, die sich der Mühe unterzogen haben, einen Blick in das Manuskript zu werfen. Einige davon haben versucht, mir manches auszureden. Einiges ist ihnen davon gelungen, vieles andere nicht. Ich stehe allein dafür ein was nun in diesem Buch steht.

VORWORT

Die Warnungen vor einer neuen Diktatur, die bei der Ersterscheinung meines Buches „Kapitalismus ohne Wenn und Aber. Wohlstand für alle durch radikale Marktwirtschaft“ im Jahre 2018 noch prophetisch klangen, sind inzwischen Realität geworden.

Eine Neuauflage war geboten. Aus der Überarbeitung ist ein stark erweitertes Buch hervorgegangen, das einen präziseren Untertitel verlangt, der nun lautet: „Streitschrift für eine Marktwirtschaft jenseits von Staat und Politik.“

Die Planwirtschaft ist auf dem Vormarsch. Angeführt vom Weltwirtschaftsforum (WEF) arbeiten Unternehmensführer, Politiker, private Organisationen und Stiftungen am Projekt einer tiefgreifenden Umgestaltung der Staats- und Wirtschaftsordnung. Dabei geht es nicht bloß um Ökonomie und Profit, sondern um Herrschaft und Macht.

Die angestrebte Neuordnung (verharmlosend „reset“ genannt) soll die Gesamtheit der Lebensverhältnisse umfassen. Die Maßnahmen, die im Zusammenhang mit der 2020 ausgerufenen Pandemie getroffen wurden, haben einen Vorgeschmack darauf gegeben, was noch kommen mag.

Ohne im herkömmlichen Sinn sozialistisch zu sein, geht es bei der Einführung der digitalen Planwirtschaft um eine umfassende Verhaltenskontrolle. Ziel ist die Eliminierung des Individuums. Aber anders als beim Kommunismus und Nationalsozialismus, geht es beim technokratischen Sozialismus nicht um die Einbeziehung des Einzelnen in ein Kollektiv — sei es die Arbeiterklasse oder die Nation -, sondern um seine Auslöschung.

In der Sicht der neuen Herrschaftselite ist die Mehrheit der Menschen nichts weiter als eine gesichtslose Masse, deren Mitglieder als unnütz betrachtet werden und ihnen das Lebensrecht abgesprochen wird. Unter dem Deckmantel der Gesundheitsvorsorge und -fürsorge wird dann Euthanasie und Eugenik zuerst propagiert und dann praktiziert. Wie das gehen kann, hat die Politik schon gezeigt. Neu ist die Rechtfertigung.

Dass die derzeit bestehende Parteiendemokratie sowie der ihr zughörige korporative Staatskapitalismus abgewirtschaftet hat, ist kaum zu bestreiten. Zu offensichtlich sind die Mängel. Beim Ruf nach einer Alternative taucht aber mehr Kapitalismus fast nie als Alternative auf. Kapitalismus gilt als Unwort. Die Gehirnwäsche ist so weit gegangen, dass eher noch Sozialismus denn Kapitalismus als wünschenswert erscheint. Da die technokratische Planwirtschaft mehr dem Sozialismus als dem Kapitalismus ähnelt, wird der Digitalherrschaft kaum Widerstand entgegengesetzt und von vielen sogar der Vorzug gegeben.

Die meisten merken dabei gar nicht, wie sehr sie Opfer der Propaganda geworden sind. Viele Kräfte sind am Werk, die digitale Planwirtschaft zu verwirklichen. Jahrzehnte der Vorbereitung, angefangen mit der Studie des Club of Rome zu den Grenzen des Wachstums, die 1971 bei internationalen Treffen in Moskau und Rio vorgestellt und 1972 veröffentlicht wurde, haben die Grundlage dazu gelegt. Die Erklärung eines Neustarts durch das Weltwirtschaftsforum und die offizielle Pandemieerklärung durch die Weltgesundheitsorganisationen stellen den aktuellen Höhepunkt dieser Bewegung zur ökologisch begründeten Diktatur dar.

Planwirtschaft ist aber keine Lösung. Wie Staatskapitalismus und Parteiendemokratie schafft ein solches System mehr Probleme als es löst und ist darüber hinaus noch zutiefst unmenschlich. Sollte es gelingen, eine tyrannische Technokratie durchzusetzen, steht uns eine alptraumhafte Zukunft bevor. Noch ist Zeit, um Widerstand aufzubauen. Hierfür braucht man eine alternative Vision.

Das Gegenmodell ist ein Pluralistischer Kapitalismus jenseits von Staat und Politik. Dies bedeutet, das Heil nicht im Staatskapitalismus und der Parteiendemokratie zu suchen, sondern den Weg für eine gesellschaftliche Ordnung freizumachen, die der menschlichen Natur am besten entspricht und so Freiheit und Wohlstand bestmöglich befördert.

Das Modell des Pluralistischem Kapitalismus bezeichnet eine Wirtschaftsordnung jenseits von Staat und Politik. Ein solcher Kapitalismus beruht in erster Linie auf der Privatinitiative. Es gilt striktes Subsidiaritätsprinzip, wonach der umfassenderen Institution nur dann Entscheidungsrechte eingeräumt werden, wenn sie von den kleineren Einheiten, angefangen mit Individuum und Familie, dazu ausdrücklich berechtigt werden.

Der Staat wird von seinem heutigen Zwangscharakter losgelöst. Die Parteienherrschaft verschwindet und wird durch eine repräsentative Direktdemokratie ersetzt. Anstatt zu einer digitalen Diktatur kommt es zu einer digitalen Direktdemokratie. Die Digitalisierung wird von einer Bedrohung zum Vorteil. Die neuen Technologien machen es möglich, durch Zufallsauswahl eine repräsentative Volksversammlung zu ermitteln. Damit ist eine direkte Demokratie nicht nur für Kleinstaaten praktikabel.

In einem Gemeinwesen ohne politische Parteien mit einer privaten Rechts- und Sicherheitsordnung würde der Staat als monopolistische Herrschaftsorganisation verschwinden. Ein solches Gemeinwesen würde den neuen Technologien den Weg ebnen, um der Lawine öffentlicher Politiken und Regulierungen Einhalt zu bieten und damit das gegenwärtige staatliche Verwaltungssystem zu beseitigen, das, so wie es heute existiert, ineffizient, korrupt, ungerecht und in seiner Essenz zutiefst undemokratisch ist.

Von den etablierten Parteien ist keine Rettung zu erwarten. Die Reform des Wahlrechts braucht eine Volksbewegung. So wie die Sachlage heute ist, müsste innerhalb der bestehenden Institutionen eine Mehrheit bei den Volksvertretern zustande kommen, die einer Auswahl der Mitglieder der Volksversammlung durch ein Zufallssystem zustimmen. Es bedarf also einer sozialen Bewegung, deren Kernprogramm darin besteht, politische Parteien abzuschaffen.

Es ist selbstverständlich leicht, diese Vorstellungen als Utopie abzutun. Ein Blick in die Geschichte zeigt aber, dass alle Umgestaltungen des Gemeinwesens ihre Kraft aus einem Ideal bezogen. Jede soziale Bewegung scheint anfangs chancenlos und viele bleiben es auch. Die eine oder andere Richtung setzt sich aber schließlich durch.

Vor wenigen Jahrzehnten schien der gegenwärtige Erfolg der Grünen noch undenkbar. Bis zur Einführung der Sozialen Marktwirtschaft nach dem Kriegsende konnte man unschwer ihre Vertreter als Utopisten kennzeichnen. Warum sollte nicht die Gegnerschaft zur linksgrünen Ideologie eine starke gesellschaftliche Kraft werden? Warum soll es einer sozialen Bewegung nicht möglich sein, die Ideen der Sozialen Marktwirtschaft aufzugreifen, deren marktwirtschaftlichen Kern als ihr Programm zu benennen und damit Erfolg zu haben?

Zu lange haben wir zugeschaut, wie die Parteienpolitik die Probleme erst schafft, die sie zu bekämpfen vorgibt. Zu lange wurde es geduldet, wie einzelne parteipolitische Gruppierungen mit Hilfe des Staatsapparates ihre oft widersinnigen Zielsetzungen auf Kosten des Volkswohlstands und der menschlichen Freiheit verfolgen. Wenn die Chaostheorie behauptet, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings einen Tornado in Texas auszulösen vermag, so gilt auch, dass der Flügelschlag eines anderen Schmetterlings den Tornado verhindern kann.

Es ist an der Zeit, eine ordnungspolitische Debatte in Gang zu setzen. Mit dem vorliegenden Buch soll dazu der Anstoß gegeben werden. Mit den vielen anderen zusammen, die ähnlichen Vorstellungen anhängen und das Anliegen einer freien Gesellschaft teilen, geht es darum aufzuzeigen, wie Marktwirtschaft funktioniert und wie die meisten Probleme, die dem Kapitalismus als Ursache angehängt werden von der Politik selbst hervorgerufen werden.

Zur freiheitlichen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung gibt es keine humane Alternative. Sozialismus und Interventionismus, auch wenn sie sich als digitale Planwirtschaft ein modernes Gewand überhängen, führen in die Verarmung und zum Staatsbankrott. Wenn diese Kräfte siegen, droht Unterdrückung in einem Ausmaß, das alles aus der Geschichte Bekannte übersteigen würde.

Die Technokratie setzt auf Interventionismus, der in der digitalen Planwirtschaft vollendet werden soll. Interventionismus behandelt die Volkswirtschaft als Maschine, die von so genannten Experten gelenkt wird. Das System läuft nach dem Schema von Befehlsketten. Zwang und Kontrolle sind die Instrumente der Steuerung.

Der Pluralistische Kapitalismus hingegen setzt auf Privatinitiative und freie Märkte. Die Volkswirtschaft ist weder eine Maschine noch ein Organismus, sondern das Zusammenspiel menschlicher Handlungen. Wirtschaft ist Kooperation. Nicht Befehl und Gehorsam lenken die Allokation der Produktionsfaktoren, sondern die Nutzenvorstellungen der Individuen. Wettbewerbsmärkte und das Preissystem sorgen für steigende Produktivität und dafür, dass die Ressourcen wirtschaftlich bestmöglich genutzt werden. Anstatt eines garantierten Mindesteinkommens, das als Hebel zum Überwachungsstaat dient, würde im freien Kapitalismus die Produktivität so hoch sein, dass jede Familie genug Einkommen erhält, um einen hohen Lebensstandard zu genießen. Die Lebenshaltungskosten würden drastisch sinken, die Löhne steigen und die Belastungen durch Steuern und Bürokratie entfallen. Der Weg in eine bessere Zukunft ist nicht mehr Staat und Politik, sondern mehr Kapitalismus mit weniger Staat und weniger Politik.

Dr. Antony P. Mueller is a German professor of economics who currently teaches in Brazil. See his website:

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